Zentral-auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (ZAWS)

Bei einer zentral-auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung ist die Weiterleitung und Verarbeitung von gehörten Informationen im Hörnerv und im Gehirn gestört. Das periphere Hören, d.h. die Wahrnehmung von Geräuschen über die Ohren, ist in diesem Fall nicht betroffen.

 

Kinder mit einer ZAVWS fallen häufig durch eines oder mehrere der folgenden Symptome auf:

  • Sie können sich in Situationen mit mehr oder weniger lauten Umgebungsgeräuschen nur schwer auf eine Aufgabe konzentrieren
  • Aufgaben, die nur über das Hören gestellt werden, können nur schwer bewältigt werden. Es kommt oft zu Missverständnissen und/oder es wird häufig nachgefragt
  • Die Kinder haben oft Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken, die sie gehört haben
  • Oft sind sie überempfindlich gegen laute Geräusche
  • Wenn vorgelesen wird, zeigen die Kinder häufig wenig Interesse bzw. Ausdauer
  • Ähnlich klingende Wörter werden oft verwechselt
  • Die Kinder singen wenig, das Auswendiglernen von Liedern und/oder Gedichten fällt ihnen schwer

 

Die ZAVWS gilt als ein verursachender Faktor von Lese- und Rechtsschreib-Störungen (LRS).

 

Die zentral-auditive Verarbeitung und Wahrnehmung wird in verschiedenen Bereichen unterteilt:

  1. Lokalisation: Erkennen aus welcher Richtung ein Geräusch kommt (Richtungshören)
  2. Selektion:  Heraushören von Geräuschen/Informationen aus Hintergrundlärm
  3. Separation: Unterscheiden von verschiedenden Geräuschen/Informationen, die zeitgleich auf jedem Ohr einlaufen (dichotisches Hören)
  4. Differenzierung: Unterscheiden von ähnlich klingenden Geräuschen, Lauten und/oder Wörtern (z.B. Kanne – Tanne, Tasse – Tasche)
  5. Identifikation: Erkennen von Geräuschen, Lauten und/oder Wörtern
  6. Analyse: Aufteilen von Wörtern in einzelnen Lauten oder Silben und/oder von Sätzen in einzelnen Wörtern (z.B. Blume = b-l-u-m-e)
  7. Synthese: Zusammenfügen von einzelnen Lauten zu Wörtern (z.B. m-au-s = Maus)
  8. Ergänzung: Ergänzen von unvollständigen Lautkombinationen zu sinnvollen Wörtern (z.B. To_ate = Tomate)
  9. Aufmerksamkeit: Steuern der Aufmerksamkeit auf bestimmte Hörsituationen (Horchen)
  10. Merkfähigkeit: Speichern von Geräuschen oder Wörtern
  11. Sequenzierung: Speichern von Geräuschen oder Wörtern in korrekter Reihenfolge

 

In der Therapie werden diese einzelnen Teilbereiche der Hörverarbeitung und Wahrnehmung durch speziell konzipierte Übungen trainiert. So können u.a. Computer-unterstützte Programme (wie z.B. Audiolog) eingesetzt werden. Für Kinder ab Vorschulalter kann das dichotische Hörtraining auch mittels Übungs-CD´s für zu Hause erfolgen.

 

Störungen der zentral-auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung gehen oft mit Problemen des Gleichgewichts einher. Aus diesem Grund fließen in die Behandlung von ZAVWS auch immer Bewegungseinheiten zur Stimulierung des Gleichgewichtssinns ein.

Fortschritte in der zentral-auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung wirken sich oft auch positiv auf die Konzentration, Aussprache, Grammatik und das Lesen und Schreiben aus.