Sensorisch-Integrative Mototherapie (nach Kesper und Stenzel)

Die Anzahl der Kinder mit Entwicklungs-, Verhaltens- und Lernproblemen steigt seit Jahren stetig an. Es geht hierbei um Kinder mit Störungen in der Entwicklung der Grob- und Feinmotorik, Problemen in der Sprachentwicklung, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, Verweigerung, Lese- und Rechtschreibstörungen und Rechenschwächen.

Aber auch psychosomatische Störungen wie (Schul-)Kopf- und Bauchschmerzen oder Essstörungen nehmen zu.

Studien haben gezeigt, dass Kinder, die von Eltern und Lehrern in den o.g. Bereichen als auffällig eingestuft wurden, immer eine Häufung von sensomotorischen Auffälligkeiten in den Untersuchungen hatten.

Sensorische Integration (nach Ayres)

Die sensorische Integration (SI) ist ein neurophysiologisches und -psychologisches Entwicklungsprinzip, das bei Vollständigkeit eine angemessene Verarbeitung und Interpretation von Sinneswahrnehmungen ermöglicht. Das heißt, nur bei Intaktheit aller Hirnfunktionen ist der Mensch in der Lage, adäquat und effizient auf seine Umwelt zu reagieren. Eine besonders große Rolle spielen dabei das Gleichgewicht, der Tastsinn, die Eigenwahrnehmung und die Bewegungsplanung.

Sensorische Integration und Sprache

Sprache und Sprechen bilden das Endprodukt der sensorischen Integration. Allen Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation liegen Motorik und Wahrnehmung zugrunde: gesprochene oder geschriebene Sprache, Gestik und Mimik.

SI-Mototherapie in der logopädischen Therapie

Der SI-mototherapeutische Ansatz hat sich in der logopädischen Praxis besonders bewährt bei Kindern mit:

  • einem stark verspätetem Sprechbeginn (late talker)
  • Aussprache- und Grammatikproblemen (Dyslalien, Dysgrammatismen)
  • auditiven Wahrnehmungsstörungen
  • Lese- und Reschtschreibschwächen

Die Diagnostik umfasst neben den Sprachlichen Kompetenzen auch die motorischen Fähigkeiten (Grob-, Fein- und Sprechmotorik) sowie der Sprache zugrunde liegenden Wahrnehmungsbereiche.

Da die Sprachentwicklung kein isolierter Prozess ist, werden die sprachlichen Auffälligkeiten nie ohne den Bezug zur gesamtkörperlichen Entwicklung gesehen. Der therapeutische Ansatz liegt somit in der Wiederholung neurophysiologischer Bewegungsmuster, die für die Entwicklung des aufrecht gehenden, sprechenden, denkenden und selbstbewussten Menschen unerlässlich sind. Die Therapie orientiert sich dabei an den individuellen Fähigkeiten des Kindes.

Mit Hilfe von bewegungsunterstützten und rhythmischen Übungen kann das Erlernen und Automatisieren von neuen sprachlichen Fähigkeiten erleichtert werden. Dem Gleichgewichtssystem kommt hierbei eine besondere Rolle zu, da es den Austausch aller Sinneseindrucke zwischen Körper und Kopf integriert.

(Quelle: Gudrun Kesper und Nikola Stenzel, SIM-Institut, Olpe)